Seit gut einem Jahr unterstütze ich den Flughafen München bei verschiedenen Projekten rund um digitale Infrastruktur. Und von Anfang an stellte sich mir eine ganz praktische Frage: Wie komme ich am effizientesten – und gesundheitlich am entspanntesten – von Siegburg nach Freising?
Ich habe alles ausprobiert. Auto, Flieger, Zug. Und bin innerdeutsch tatsächlich bei der Bahn hängen geblieben. Nicht aus Nostalgie. Sondern weil es der einzige Weg ist, auf dem ich vier bis fünf Stunden Reisezeit wirklich nutzen kann. PowerPoints entwickeln, Excel-Modelle optimieren, Spezifikationen überarbeiten. Der Zug ist mein rollendes Büro.
Das Flugzeug klingt schneller – aber wer sich ehrlich macht, merkt: Haustür zu Haustür ist die Zeit kaum kürzer. S-Bahn zum Flughafen, Sicherheitskontrolle, Warten am Gate, Boarding, Startflug, Landeflug, Shuttle zum Ziel. Zur Ruhe kommt man nie. Produktiv schon gar nicht – auf einer Strecke wie dieser bleiben vielleicht 30 bis 40 Minuten in der Luft, in denen man überhaupt etwas tun könnte. Das Auto fällt arbeitstechnisch komplett raus, solange vollautonomes Fahren noch Zukunftsmusik ist – es sei denn, man telefoniert ausschließlich. Bleibt der Zug. Und der gewinnt auf dieser Strecke klar.
Donnerstag, Freising. Der Plan war simpel.
S-Bahn nach München Hauptbahnhof, ICE nach Siegburg, Abend zuhause. Passt.
Bei Landshut meldet die App einen Bahnunfall. Der gesamte Verkehr wird über den Raum München umgeleitet. Die S-Bahn füllt sich, wird langsamer, bleibt stehen. 40 Minuten Verspätung. Mein ICE ist längst weg.
Und weißt du was? Halb so wild.
BahnCard 100 heißt: Plan B ist immer dabei
Ich gehe in die DB Lounge, hole mir einen Kaffee, klappe den Laptop auf. Eine Stunde später sitze ich im nächsten Zug nach Siegburg. Kein Aufpreis, kein Stress, kein Grund zur Aufregung. Die BahnCard 100 ist nicht nur ein Ticket – sie ist eine Haltung. Sie sagt: Du kommst an. Vielleicht nicht wann du dachtest, aber du kommst an.
Flexibilität ist keine Schwäche. Sie ist der eigentliche Fahrplan.
Ich kenne die Bahn von innen
Meine Gelassenheit kommt nicht aus Gleichgültigkeit. Sie kommt aus Erfahrung. Ich habe mit DB-Systel, der DB AG und der Instandhaltung in Krefeld eines der ersten 5G-Campus-Netzwerke der Deutschen Bahn pilotiert. Digitale Infrastruktur, mitten in einem der komplexesten Logistiksysteme Europas.
Was ich dabei gelernt habe: In diesem Unternehmen arbeiten außergewöhnliche Menschen. Leute, die mit echtem Herzblut an Lösungen arbeiten, die der Rest des Landes erst dann wahrnimmt, wenn etwas nicht funktioniert. Das ist das Schicksal komplexer Infrastruktur – sie wird unsichtbar, sobald sie läuft.
Ein Unfall bei Landshut, der den gesamten Münchner S-Bahn-Verkehr durcheinanderwirft und trotzdem irgendwie beherrschbar bleibt – das ist keine Selbstverständlichkeit. Das ist Systemkompetenz.
Verspätung als ungebuchter Puffer
In einer Welt, in der alle über Produktivität reden und Kalender bis auf die Minute vollgepackt sind, ist eine unfreiwillige Stunde in der Lounge manchmal das Beste, was mir passieren kann. Ich habe in dieser Stunde mehr geschrieben als an manchem vollen Bürotag.
Was die Bahn kann, wenn man sie lässt
Das Problem der Deutschen Bahn ist selten die Technik oder die Menschen. Es ist der jahrzehntelange Investitionsstau und ein Land, das Infrastruktur lange für selbstverständlich gehalten hat. Wer einmal von innen gesehen hat, was dort geplant, gebaut und betrieben wird, der entwickelt Respekt. Nicht blinden. Aber echten.
Ich wünsche mir eine Bahn, die das abrufen kann, was in ihr steckt. Mehr Investitionen, mehr Verlässlichkeit, mehr politischen Rückenwind.
Bis dahin stehe ich entspannt in der Lounge München Hauptbahnhof, Kaffee in der Hand, und warte auf den nächsten Zug nach Siegburg.

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